Medikamente können das Karies-Risiko erhöhen

2017-03-20 - Bielefeld

Trotz einer immer besseren Mundhygiene bleibt Karies die häufigste Zahnerkrankung weltweit.[1] Und diese birgt ein hohes Risiko: Laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung sind unbehandelte Karies und fortgeschrittene Erkrankungen des Zahnhalteapparates (wie Parodontitis) die häufigsten Gründe für eine Zahnextraktion.[2]

Was viele nicht wissen: Einer der größten Risikofaktoren ist Speichelmangel.

Speichelmangel ist weit verbreitet und bis zu jeder Zweite kann betroffen sein.[3] Mundtrockenheit und Medikamente - das bringen die meisten Menschen erstmal gar nicht in Verbindung. Jedoch haben viele der gängigsten Medikamente, darunter Mittel gegen Depressionen, Bluthochdruck, Asthma oder Parkinson aber auch Schmerzmittel oder Antibiotika, eine reduzierte Speichelbildung als Nebenwirkung.[4]

Mundtrockenheit ist nicht nur im Alltag störend, sondern hat auch massive Auswirkungen auf die Zahngesundheit. Der natürliche Remineralisationsprozess aus dem Speichel ist stark eingeschränkt und folglich ist das Kariesrisiko sehr hoch.[5]

Die meisten herkömmlichen Zahnpflegeprodukte benötigen Speichel, um optimal wirken zu können.[6] Ein wirksamer Kariesschutz ist somit bei Mundtrockenheit nicht oder nur unzureichend gegeben.

Der biomimetische Wirkstoff Hydroxylapatit – eine dem Zahnschmelz nachempfundene Substanz – ist in der Zahnpflege zunehmend beliebt und die Wirksamkeit wurde in klinischen Studien bestätigt (z. B. Harks et al.[7], Kani et al.[8], Orsini et al.[9]).[10] Vorteilhaft ist, dass dieser Wirkstoff bereits mineralisch vorliegt und so auch unter Speichelmangel aktiv sein kann.[6a] Neueste Studienergebnisse untermauern die Wirksamkeit von Hydroxylapatit in der Kariesvorsorge. So berichtete Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf von der Universitätsklinik Würzburg im Verbrauchermagazin "Guter Rat" (12/2016), dass der Wirkstoff Hydroxylapatit den Zahnschmelz schützt, indem er sich an die Zähne heftet. Laut einer unter der Leitung von Prof. Dr. Schlagenhauf gerade an fünf deutschen Universitätskliniken durchgeführten placebokontrollierten Studie bietet auch eine fluoridfreie hydroxylapatithaltige Zahncreme Kariesschutz.[11]

Literatur:

  1. aS. Listl, J. Galloway, P. A. Mossey, W. Marcenes, J. Dent. Res. 2015, 94, 1355-1361; bO. Fejerskov, E. Kidd, Dental Caries: The Disease and its Clinical Management, Wiley, 2009.
  2. http://www.kzbv.de/wann-muss-man-einen-zahn-ziehen.167.de.html.
  3. A. Villa, C. L. Connell, S. Abati, Ther. Clin. Risk Manag. 2015, 11, 45-51.
  4. aL. M. Sreebny, S. S. Schwartz, Gerodontology 1997, 14, 33-47; bT. O. Narhi, J. H. Meurman, A. Ainamo, Drug & Aging 1999, 15, 103-116.
  5. H. Meyer-Lückel, S. Paris, K. Ekstrand, Karies: Wissenschaft und Klinische Praxis, Thieme, Stuttgart, 2012.
  6. aK. Najibfard, K. Ramalingam, I. Chedjieu, B. T. Amaechi, J. Clin. Dent. 2011, 22, 139-143; bA. Papas, D. Russell, M. Singh, R. Kent, C. Triol, A. Winston, Gerodontology 2008, 25, 76-88.
  7. I. Harks, Y. Jockel-Schneider, U. Schlagenhauf, T. W. May, M. Gravemeier, K. Prior, G. Petersilka, B. Ehmke, PloS one 2016, 11, e0160142.
  8. K. Kani, M. Kani, A. Isozaki, H. Shintani, T. Ohashi, T. Tokumoto, J. Dent. Health 1989, 19, 104-109.
  9. G. Orsini, M. Procaccini, L. Manzoli, F. Giuliodori, A. Lorenzini, A. Putignano, J. Clin. Periodontol. 2010, 37, 510-517.#
  10. C. van Loveren, Toothpastes, Vol. 23, Karger, Basel, 2013.
  11. "Guter Rat" - Das unabhängige Verbrauchermagazin (12/2016)