Tony Martin vor dem Neustart bei Katusha-Alpecin

Tony Martin betritt privat und sportlich Neuland. Eine Woche nachdem der 31 Jahre alte Wahlschweizer zum ersten Mal Vater geworden war, erreichte er als letzter Radprofi das Trainingslager seines neuen Katusha-Alpecin-Teams in Calpe

2016-12-06 - Calpe/Bielefeld

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Das zum Teil angekratzte Image seines neuen Arbeitgebers juckt den vierfachen Zeitfahr-Weltmeister, um klare Worte im Anti-Doping-Kampf nie verlegen, wenig. "Ich habe 100 Prozent Vertrauen zum Team", sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur.

"Altlasten interessieren mich nicht. Ich kann Teil eines neuen Projektes werden und mithelfen, das Team neu auszurichten. Katusha Alpecin beschreitet einen klaren Weg. Ich bin von der Richtung überzeugt", erklärte der Wahlschweizer. Im August hatte er nach fünf Jahren bei Etixx-Quick Step einen neuen, millionenschweren Zwei-Jahresvertrag unterschrieben.

Die Mannschaft Katusha genoss in der Vergangenheit nicht den besten Ruf. In den Vorjahren begleiteten die einstige russische Mannschaft, die jetzt als internationale Mannschaft unter Schweizer Lizenz fährt und von dem Schweizer Rechtsanwalt Alexis Schoeb geführt wird, Doping-Vorwürfe. Vor drei Jahren erstritt das Team seine wegen Dopings entzogene World-Tour-Lizenz vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zurück.

Laut Team-Philosophie der neu ausgerichteten Equipe ist das Schnee von gestern. "Jeder bei uns ist gegen Doping, und der Urteilsspruch 2013 hat doch bewiesen, dass das Vorgehen des Weltverbandes gegen uns nicht korrekt war. Zumal ein solcher Lizenzentzug immer alle Arbeitnehmer in einem Team trifft und nicht nur die Schuldigen", sagte Teamchef Torsten Schmidt, früher Profi bei Gerolsteiner.

Sportlich steht für Tony Martin 2017 vor allem die Tour de France mit dem Start in Düsseldorf am 1. Juli im Fokus. „Es ist kein Geheimnis, dass die Tour in Düsseldorf ihre Schatten voraus wirft und das für uns alle ein riesen Ereignis ist. Es gibt die Chance auf das gelbe Trikot gleich zu Beginn. Das ist mein großes Ziel für 2017.“

Den Start im neuen Team in Spanien, wo Martin auf alte Bekannte wie Rick Zabel oder Nils Politt traf, empfand der Zeitfahrweltmeister jedenfalls als sehr angenehm. "Ich wurde sehr freundlich empfangen. Ich fühle mich wohl und bin topfit". Martin, der kurz vor dem dritten Advent zu seiner Familie zurückkehren wird, geht das neue Jahr voller Elan an: "Ich hatte erfolgreiche und schöne Jahre bei Etixx. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung, die neuen Teamkollegen, die neuen Partner und die unterschiedlichen Projekte, die unter dem Dach „Katusha Cycling Project“ zusammenfasst werden. Das sind spannende und innovative Ansätze im internationalen Radsport. Die Chemie hat einfach vom ersten Moment gepasst".

Auch für den Bielefelder Shampoo Hersteller Alpecin hat die Chemie in mehrfacher Hinsicht gepasst. Der geschäftsführende Gesellschafter Eduard R. Dörrenberg reiste eigens aus Singapur zur Präsentation in Spanien an und erklärte zunächst die weltweit zunehmende Bedeutung des Radsports – auch und gerade in Asien. Bestätigt wird diese Annahme durch aktuelle Meldungen über eine engere Zusammenarbeit des Radsportweltverbandes und den Sportvermarkter Wanda in China. Diesen Trend könne man an vielen Orten Asiens erkennen, so Dörrenberg. Durch die Internationalität sei der Radsport besonders interessant für die Shampoo-Marke, erklärte Dörrenberg, dessen Großvater bereits in den 50er und 60er Jahren den Radsport gefördert habe und so die Marke Alpecin bereits vor über 50 Jahren zur Tour de France gebracht habe.